Polizei Rheinland-Pfalz setzt auf .NET-Plattform – Neue Infrastruktur für 140 Dienststellen | Artikel aus INFOLINE 1/2003

Polizei Rheinland-Pfalz setzt auf .NET-Plattform – Neue Infrastruktur für 140 Dienststellen | Artikel aus INFOLINE 1/2003

Im Rahmen des Projekts RIVAR (Rheinland-pfälzisches Informations-, Vorgangs­bearbeitungs-, Auswerte- und Recherche­system) werden die Informationssysteme der Polizei Rheinland-Pfalz mit Hilfe der Microsoft .NET Technologie homogenisiert. Mit dem Zentralen Verkehrs-Informationssystem ZEVIS.net ist bereits Mitte letzten Jahres die erste Stufe in Betrieb gegangen. Im ersten Quartal 2003 wurden nun von COMLINE die Fundamente für die Einführung des Vorgangsbearbeitungssystems POLADIS.net und des Fahndungssystems POLIS.net gelegt.

Die Ist-Situation

Das Herz der IT-Infrastruktur bilden 300 Server mit dem Betriebssystem Windows NT 4.0 in 12 Domänen. Mit etwa 140 verteilten Standorten und 150 Servern betreibt die Polizei Rheinland-Pfalz eine der weltweit größten Exchange Organisationen. Microsoft Office 97 und diverse Polizei-Informationssysteme werden von über 12.000 Polizisten an 5.200 Clients genutzt. Auch auf Clientseite wird derzeit Windows NT 4.0 eingesetzt.

Das Ziel

Eines der wesentlichen Projektziele war die Implementierung einer Windows 2000 Domäne im Native Mode als Voraussetzung für die Einführung der neuen Vorgangsbearbeitungs- und Fahndungssysteme. Dies beinhaltete die Restrukturierung der bestehenden Windows NT 4.0 Domänen und Integration in die Windows 2000 Domäne.

Gleichzeitig sollte die komplexe Kommunikationsinfrastruktur von Microsoft Exchange Server 5.5 auf Exchange 2000 migriert werden, um die Basis für eine zentrale Administration in Verbindung mit intelligentem Mailrouting zu schaffen.

Im Anschluss an die Migration der Domänenkontroller und des Mailsystems in einer Dienststelle war es die Aufgabe des Kunden, die lokal vorhandenen Server mit polizeilichen Anwendungen zu migrieren sowie die Umstellung der Clients auf Microsoft Windows XP durchzuführen.

Begleitet wurde das Projekt durch einen umfangreichen Austausch der Client- und Server-Hardware, um den Anforderungen der neuen Betriebssysteme gerecht zu werden.

Die Projektpartner

Innerhalb einer etwa 4-monatigen Konzeptions- und Testphase konnten die Weichen für die technische und logistische Realisierung gestellt werden. Entscheidend für den Erfolg war hierbei die enge Kooperation zwischen den Projektbeteiligten.

– Die Zentralstelle für Polizeitechnik (ZPT) in Mainz ist der interne Dienstleister der Polizei Rheinland-Pfalz. Im Rahmen des Projektes zeichnete die ZPT stellvertretend für die Polizeibehörden für die grundlegenden Projektvorgaben verantwortlich.

– Der Bereich Microsoft Services der Microsoft Deutschland GmbH erarbeitete die Konzepte zur Realisierung der Migration. Neben den Microsoft Consulting Services war auch die Abteilung Product Support Services beteiligt.

– Der Hersteller Fujitsu Siemens Computers lieferte im Rahmen des Projekts über seinen Partner COMLINE alle neuen Server und Arbeitsstationen.

– Die COMLINE AG erarbeitete gemeinsam mit den Microsoft Beratern Handlungsanweisungen für die beteiligten COMLINE Mitarbeiter auf Basis der Microsoft Konzepte und führte die Migration durch.

Die Schnittstellenfunktion der COMLINE AG war für das Projekt von entscheidender Bedeutung. Durch die langjährige Zusammenarbeit mit der Polizei Rheinland-Pfalz sind die Mitarbeiter einerseits für die spezifischen Anforderungen des Kunden sensibilisiert. Als Microsoft Gold Certified Partner verfügt die COMLINE andererseits über das notwendige Potential an Wissen und Erfahrung um komplexe Migrationsprojekte erfolgreich umzusetzen.

Die Eckdaten

Innerhalb von dreieinhalb Monaten mussten ca. 140 Dienstellen der Polizei Rheinland-Pfalz serverseitig von Microsoft NT 4.0 und Microsoft Exchange Server 5.5 auf Microsoft Windows 2000 und Microsoft Exchange 2000 migriert werden. Die Backupdomänenkontroller unter NT 4.0 wurden durch Windows 2000 Domänenkontroller (DC) abgelöst, die als Globale Katalog Server (GC) für die Authentifizierung in den Dienststellen fungieren. In einem zweiten Schritt wurden Exchange 2000 in den bestehenden Exchange 5.5-Standort installiert und die Daten aus dem Altsystem übernommen. Das Datenvolumen umfasste ca. 750.000 MB in etwa 15.000 Mailboxen sowie über 1.000 Öffentliche Ordner.

Die Installation der Server erfolgte zentral in der ZPT. In der hier aufgebauten Installationsumgebung (Staging Site) wurden sowohl Anwendungsserver als auch Domänenkontroller mit Hilfe eines Unattended Setup durch die COMLINE installiert, geprüft und an die Logistik übergeben.

Neben neuer Hardware sollten auch bestehende Server im Rahmen eines rollierenden Verfahrens überprüft, aufgerüstet, installiert und wieder in den Migrationszyklus eingebracht werden. Für die Einhaltung des Migrationsplanes war somit der reibungslose Ablauf der Migrationen wesentlich, um Alt-Server zeitnah wieder verwenden zu können.
Der vorgegebene Zeitplan des Kunden bedingte die Migration von zehn bis zwölf Servern pro Woche. Dabei musste die Migration in jeder Dienstelle innerhalb von zwei Tagen abgeschlossen sein. Erst dann konnten Mitarbeiter der Polizei mit der Migration der polizeilichen Anwendungen und der Installation der XP-Clients beginnen. Die Alt-Server wurden nach Abschluss der Migration im Standort zur automatisierten Neuinstallation für eine andere Dienststelle nach Mainz gebracht. Olaf Beilmann, Projektleiter Infrastruktur der Polizei: “Wir waren uns des ambitionierten Zeitplanes bewusst. Die Erfahrungen mit der Arbeitsweise der COMLINE gab uns die Gewissheit ihn auch einhalten zu können.”

Das COMLINE-Projektteam

Das Projektteam der COMLINE wurde in folgende Bereiche gegliedert.

– Gesamt-Projektleitung
– Technische Projektleitung
– Serverinstallationsteam
– Sechs Migrationsteams
– Technischer Support
– Logistikteam

Der Gesamt-Projektleitung kamen alle Aufgaben des Projekt-Managements zu. Dies beinhaltete die Gesamtheit der Maßnahmen, die zur Konzeption, Steuerung und Realisierung des Projektes notwendig waren.

Know-How bündeln

Die technische Projektleitung wurde von zwei erfahrenen Senior Consultants übernommen, die in enger Abstimmung mit den Projektpartnern die technische Umsetzung ermöglichten. Kernstück ihrer Arbeiten im Vorfeld der Migrationen war die Ausarbeitung und Überprüfung von exakten Arbeitsanweisungen für die Migrationsteams und den technischen Support. Basierend auf diesen Dokumenten, Checklisten und internen Schulungen konnten sowohl die Installationen als auch die Migrationen nach einem standardisierten Verfahren durch die Techniker der COMLINE realisiert werden.

Als vorteilhaft erwies sich die Integration der technischen Projektleitung in den zentralen Support für die Migrationsteams. Das Supportteam wurde insbesondere im Bereich Windows 2000 durch weitere Consultants ergänzt. Als letzte technische Eskalationsstufe wurden die Microsoft Product Support Services ins Boot geholt.

Tätigkeiten automatisieren

Die Aufgabe des Serverinstallationsteams bestand in der automatisierten Installation aller benötigten Server. Diese wurden gemäß einer Checkliste installiert, vom Kunden abgenommen und einem Logistikunternehmen zur Belieferung der Dienststellen übergeben.

Leistung optimieren

Fünf bis Sechs Migrationsteams wurden parallel an vier Tagen einer Woche im gesamten Land für die Migration der Dienststellen eingesetzt. Somit konnten bis zu zwölf Dienststellen pro Woche migriert werden. Die Migrationsteams standen in ständigem Telefonkontakt zum COMLINE Support, der über Terminaldienste die Arbeit der Techniker begleiten konnte. Komplexere und zeitkritische Arbeiten wurden zentral in Mainz bearbeitet, um die Active Directory und Exchange Replikation aufrechtzuerhalten. Neben zentralen Konfigurationsaufgaben in den Hub-Standorten war das Supportteam auch für die Lösung von entstandenen Problemen verantwortlich.

Prozesse koordinieren

Das Logistik-Team übernahm die zentrale Koordinierung für die Lagerung, Abholung und Anlieferung von Hardware und Zubehör. Die Herausforderungen waren erheblich. Fast 300 Server mussten in Mainz angeliefert, dort installiert und am Vortag der jeweiligen Migration an die Dienststellen ausgeliefert werden. Gleichzeitig erfolgte die Anlieferung von unter anderem mehr als 2.500 Clients und Monitoren an die Polizei-Dienststellen.

Die Migration

Die Exchange Migration bei der Polizei Rheinland-Pfalz erscheint in Umfang und Struktur deutschlandweit einzigartig. Durch hohe Zahl an zu migrierenden Standorten waren im Active Directory und in der Exchange Organsiation zahlreiche Replikationsverbindungen einzurichten und zu überwachen. Allein der Abgleich von Exchange 5.5 mit dem Active Directory machte die Konfiguration von über 500 Connection Agreements auf mehreren Active Directory Cnnector Servern notwendig.

Als zeitkritisch bei der hohen Geschwindigkeit der Migrationen erwies sich – wie erwartet – die Replikation der Öffentlichen Ordner auf den neuen Exchange 2000 Server. In fast allen Fällen konnte jedoch der zu migrierende Server bereits am zweiten Tag der Migration wie geplant abgebaut werden.

Matthias Bongarth (Geamtprojektleiter RIVAR) fasst das Projektergebnis wie folgt zusammen: “Die COMLINE verbindet technisches Know-How auf höchstem Niveau mit herausragendem Logistik- und Roll-Out-Management. Für uns der ideale Partner.”

Die Migration wurde Anfang April abgeschlossen. Etwa 12.000 Polizisten arbeiten auf den Exchange 2000 Servern. Der Schritt in den Native Mode der Windows 2000 Domäne und der Exchange 2000 Organisation steht kurz bevor: Die Einführung der neuen Anwendungen POLADIS.net und POLIS.net im Land Rheinland-Pfalz kann beginnen.

 
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